PAS, EKE was ist das eigentlich?

 

 Was ist PAS oder EKE eigentlich?

 

 

Worum es eigentlich geht

Nach einer Trennung kommt es vor, dass Kinder einen Elternteil stark ablehnen oder den Kontakt abbrechen, obwohl beide Eltern vorher wichtig waren. Für die Kinder ist das fast immer ein Zeichen großer innerer Not: Sie stecken in Loyalitätskonflikten und fühlen sich zwischen den Erwachsenen hin- und hergerissen. Wichtig ist: Kinder brauchen Schutz vor Konflikten – nicht davor, einen Elternteil zu lieben.

 

Was Gardner mit PAS meinte

Der amerikanische Psychiater Richard A. Gardner hat in den 1980er-Jahren das sogenannte Parental Alienation Syndrome (PAS) beschrieben. Nach seiner Vorstellung lehnt ein Kind einen Elternteil fast nur deshalb ab, weil der andere Elternteil es beeinflusst oder „gegen ihn aufhetzt“. Gewalt, Missbrauch oder frühere Verletzungen wurden in diesem Modell weitgehend ausgeblendet.

 

Warum PAS heute abgelehnt wird

Fachlich gilt das PAS-Konzept heute als überholt und wissenschaftlich nicht haltbar; es wurde nie sauber erforscht und stützt sich vor allem auf Einzelfallberichte Gardners. Das Bundesverfassungsgericht hat 2023 ausdrücklich klargestellt, dass PAS keine tragfähige Grundlage für gerichtliche Entscheidungen zum Sorgerecht und Umgang ist. Problematisch ist auch, dass PAS immer wieder genutzt wurde, um vor allem Mütter unglaubwürdig zu machen, wenn sie von Gewalt oder Missbrauch berichten – eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr.

Wie Fachleute heute hinschauen

Statt von „PAS“ sprechen viele Fachleute neutral von Eltern-Kind-Entfremdung. Dahinter können sehr unterschiedliche Ursachen stecken: langjährige Paarkonflikte, Gewalt und Angst des Kindes, Loyalitätsdruck, aber auch tatsächliche Beeinflussung durch einen Elternteil. Für Kinder ist entscheidend, dass Erwachsene genau hinschauen, sie ernst nehmen und alle möglichen Gründe prüfen – nicht vorschnell ein „Syndrom“ unterstellen.

 

 

Das ist der besagte Beschluss des BGH 

 

Beschluss des BVerfG vom 17.11.2023 - 1 BvR 1076/23 (https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2023/11/rk20231117_1bvr107623.html )

 

Hier mal Kommentare zu diesem Beschluss:

 

Eltern-Kind-Entfremdung (PAS) und Wunsch nach Sanktionierung des betreuenden Elternteils können eine Sorgerechtsentscheidung nicht begründen Das Bundesverfassungsgericht hat sich im November 2023 mit einer Verfassungsbeschwerde zum Aufenthaltsbestimmungsrecht befasst. Darin hat es ausdrücklich klargestellt, dass eine Entscheidung zum Sorgerecht nicht auf das Vorliegen einer angeblichen Eltern-Kind-Entfremdung gestützt werden darf, ebenso wenig, wie auf den Wunsch nach einer Verhaltenssanktionierung. (Frauenhaus Koordinierung e.V.)

 

Das sog. Parental Alienation Syndrom (PAS) geisterte jahrzehntelang durch die Gerichtsflure. In Sorgerechts- und Umgangsverfahren wurde Elternteilen vorgeworfen sie würden ihre Kinder mutwillig und kindeswohlgefährend dem anderen Elternteil entziehen. 

In dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 17.11.2023 hat das Bundesverfassungsgericht nunmehr ausgeführt, dass das PAS überkommen und fachwissenschaftlich widerlegt wurde. Es kann von daher nicht mehr – alleinige – Entscheidungsgrundlage des Familiengerichts sein.  (Ellen Russow Henning Anwältin)

  

Bundesregierung geht auf Distanz / Ein Pseudo-Konzept des Väterrechts

Der Vorwurf der „Eltern-Kind-Entfremdung“ soll vor Gericht nicht mehr genutzt werden, so eine Mitteilung des Justizministeriums. TAZ Artikel : https://taz.de/Bundesregierung-geht-auf-Distanz/!6018477/

 

Kommentar von Stephan Gutte:

Das Thema des Kontaktabbruchs wird uns im Kontext von Trennung immer wieder beschäftigen. Letztlich sollte aus meiner Sicht die Frage nach dem "Warum?".

 

Hier mal Fragen, die es gesellschaftlich zu beantworten gilt:

 

Entzieht sich das Kind bewusst einem konflikt?

Wird es „manipuliert“ und wie fremdgesteuert dem anderen Elternteil genommen?

Welche Anteile (Achtung, schmerzhaft) hat ein entfremdetes Elternteil an der Situation?

Welchen Anteil haben Verfahren, schwierige Entscheidungen oder misslungene Beratungen?

Wie viel Energie sollte man (aus psychologischer und auch gesellschaftlicher Sicht) in die Anbahnung investieren?

Welche Anteile hat das Kind? 

 

Die Fragen sind nicht für den Einzelfall, sondern für die Metaebene. Natürlich ist ein entfremdetes Elternteil nicht "schuld" an der Entfremdung. Dennoch kann es Fälle geben, bei denen es eigene Anteile gibt, die es aufzuarbeiten gilt.

Auch ist sicher nicht jedes Kind aktiv manipuliert worden, das Kontakte ablehnt. Warum lässt sich das eine Kind so beeinflussen und das andere nicht?

 

Aus meiner Sicht sind viel mehr psychologische Fragen in diesem Bereich unbeantwortet. Fehlen jedoch diese Antworten, fehlt auch ein Ansatz, etwas zu lösen. manchmal glaube ich, dass nicht mal das Problem als solches gesehen oder zumindest als Problem für das Kind wahrgenommen wird. Da steht dann Selbstwirksamkeit im Vordergrund und die Ablehnung eines Elternteils ist dann eben wie ein Kollateralschaden.

 

Am 28.04.2026 werden wir uns in diesem offenen Gruppentreffen ab 19 Uhr diesem Thema widmen. es kann "noch" nicht abschließend behandelt werden … Die Fragen sind noch zu offen und die Lösung noch nicht gefunden.